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Warum der Euro-Anstieg zum Problem für die Exporteure werden kann

FILE PHOTO: Euro currency bills are pictured at the Croatian National Bank in Zagreb, Croatia, May 21, 2019. REUTERS/Antonio Bronic/File Photo

Berlin (Reuters) - Als hätte die deutsche Wirtschaft nicht schon genug Probleme: Corona-Krise, Brexit, Handelskonflikte - und jetzt kommt auch noch eine starke Aufwertung des Euro hinzu.

Seit Mai hat der Euro um rund elf Prozent zum Dollar aufgewertet. 1,18 Dollar müssen aktuell für einen Euro bezahlt werden. “Der Anstieg des Euro gegenüber dem Dollar macht die Produkte ‘Made in Germany’ im Verhältnis teurer”, erläutert Ilja Nothnagel, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). “Damit kann es an der ein oder anderen Stelle auch schwieriger bei Verkaufsgesprächen werden.” Zum einen hat das Zusammenrücken der EU-Staaten mit der Einigung auf einen 750 Milliarden schweren Aufbaufonds dem Euro Auftrieb verliehen. Dazu schwächt die schwere Corona-Krise in den USA und die politische Unsicherheit dort wegen der anstehenden Präsidentenwahl den Dollar.

Besonders für Europas größte Volkswirtschaft Deutschland kann das zum Problem werden, schließlich ist sie wie keine andere abhängig vom Exportgeschäft. Waren im Wert von mehr als 1,3 Billionen Euro verkaufte sie 2019 in den Rest der Welt. Zwar gehen fast 60 Prozent in andere EU-Länder, wo überwiegend in Euro abgerechnet wird und die Aufwertung somit nicht ins Gewicht fällt. Doch viele lukrative und umkämpfte Märkte rechnen in Dollar ab - allen voran die USA, der seit einigen Jahren unangefochten wichtigste Kunde der deutschen Exportwirtschaft. Allein dorthin wurden im vergangenen Jahr Waren im Wert von 118,7 Milliarden Euro exportiert.

“Spitz gerechnet” könnte die Aufwertung die Euro-Zone ab Herbst 0,2 Prozentpunkte und Deutschland durchaus 0,3 Prozentpunkte der Wachstumsrate im Vorjahresvergleich kosten, sagt der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding. Der Gewinn je Aktie von Unternehmen der Euro-Zone dürfte bei einer zehnprozentigen Euro-Aufwertung um etwa sechs Prozent niedriger ausfallen, rechnet Marco Mossetti vor, Aktienmanager beim Vermögensverwalter Credit Suisse Asset Management.

BRANCHE IST WECHSELKURSSCHWANKUNGEN GEWÖHNT

“Bei den konjunkturellen Folgen würde dem Exportsektor natürlich ein schwächerer Euro besser zu Gesicht stehen”, sagt deshalb der Europa-Chefvolkswirt von ING, Carsten Brzeski. “Denn letztendlich hat dieser Sektor schon genug Probleme. Jetzt kommt noch eines hinzu.” Aktuell leiden die Exporteure in erster Linie unter der globalen Rezession infolge der Corona-Pandemie. Von Januar bis Mai brachen die deutschen Ausfuhren um mehr als 14 Prozent auf 481 Milliarden Euro ein. Deshalb wird in vielen Chefetagen die Entwicklung an den Devisenmärkten genau verfolgt. “Schwankungen bei den Wechselkursen sind für mehr als ein Viertel der Betriebe aktuell ein Thema”, sagt DIHK-Experte Nothnagel und beruft sich auf eine Umfrage unter 3300 Firmen.

Allerdings sind die Probleme auf der Nachfrageseite derzeit so enorm, dass für viele Branchen die Euro-Stärke aktuell nicht so sehr ins Gewicht fällt wie in normalen Zeiten. “Die größte Herausforderung ist gegenwärtig die zu geringe Nachfrage nach Maschinen”, sagt etwa der Konjunkturexperte des Verbandes der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA), Olaf Wortmann. Die Mitgliedsunternehmen seien Wechselkursschwankungen gewöhnt und sollten damit zurechtkommen. Ähnlich sieht man das beim DIHK. “Für die stark international orientierte deutsche Wirtschaft ist es von großer Bedeutung, wie es weltweit gelingt, mit der Pandemie umzugehen”, sagt DIHK-Experte Nothnagel. “Die Betriebe werden sich daher nachhaltig nur erholen können, wenn auch unsere Geschäftspartner weltweit wieder auf die Beine kommen.”

Dazu könnte der wiedererstarkte Euro sogar beitragen - zumindest ein wenig. Schließlich gewinnen Kunden aus Übersee an Wettbewerbsfähigkeit durch den Höhenflug des Euro: Sie können ihre Produkte hier günstiger anbieten und so Marktanteile gewinnen. Trägt das zur Belebung der dortigen Wirtschaften bei, haben auch die deutschen Exporteure etwas davon, wenn im Gefolge die Nachfrage nach deutschen Produkten anzieht. Und sie profitieren durchaus auch von der Euro-Stärke, schließlich können Rohstoffe wie Öl und Metalle oder auch viele Vorprodukte nun günstiger eingekauft werden. Sie werden auf den Weltmärkten überwiegend in Dollar abgerechnet.

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