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Abwrackprämie beflügelt deutschen Automarkt

Hamburg/Detroit (Reuters) - Der deutsche Auto-Markt ist im März durch die Abwrackprämie massiv angeschoben worden.

Die Pkw-Neuzulassungen legten im vergangenen Monat im Vergleich zum Vorjahresmonat um 40 Prozent auf 401.000 Fahrzeuge zu und erreichten damit das höchste Volumen seit dem Wiedervereinigungsboom vor 17 Jahren. “Die Sorge der Verbraucher über ein frühes Ende der Umweltprämie hat im März offenbar zu einem Ansturm der Käufer geführt”, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann am Donnerstag in Frankfurt. Der Branchenverband hofft nun, dass die im vergangenen Jahr erzielten 3,09 Millionen Neuzulassungen deutlich übertroffen werden. Bislang war der VDA lediglich davon ausgegangen, die Marke wieder zu erreichen.

Für die Autoindustrie bedeutet das Zulassungsplus im Inland allerdings nur wenig Entlastung in der Autokrise, denn die wichtigen Exporte brachen im März um ein Viertel ein. Mehr als vier Fünftel aller in Deutschland gebauten Wagen werden aber an Kunden ins Ausland geliefert. Und dort ist keine Besserung in Sicht: die Auslandsorders schrumpften im vergangenen Monat um 26 Prozent, im Schwankungen weniger ausgesetzten Drei-Monats-Zeitraum war es sogar fast ein Drittel.

Die Produktion wurde im März deshalb um ein Fünftel zurückgeschraubt. Im ersten Quartal rollten nur etwas mehr als eine Million Fahrzeuge von den Produktionsbändern, das ist der niedrigste Ausstoß seit 15 Jahren.

IN USA TROTZ GEBREMSTER TALFAHRT KAUM HOFFNUNG

Auf dem wichtigen US-Markt hat sich die rasante Talfahrt im März etwas verlangsamt. Die von Insolvenz bedrohten Autobauer General Motors und Chrysler können daraus aber kaum Hoffnung schöpfen, denn der Verkaufsrückgang wurde nur durch hohe Preisnachlässe gebremst. “Das ist ein Rückfall in alte Krankheiten”, sagte Marc-René Tonn, Autoexperte des Bankhauses M.M. Warburg. Die US-Autobauer hatten die Nachfrage nach ihren hochmotorisierten Spritfressern in den vergangenen Jahren durch hohe Rabatte künstlich hochgehalten und müssen nun, da die Nachfrage umschwenkt, schmerzhafte Einschnitte vornehmen. GM und Chrysler werden durch staatliche Hilfe am Leben gehalten.

NUR EIN STROHFEUER IN EUROPA?

Auch in Europa, wo die Autoverkäufe - etwa in Italien, Frankreich und Deutschland - kräftig anzogen, ist keine nachhaltige Besserung absehbar. “Das ist ein durch Kaufanreize entfachtes Strohfeuer. In drei, vier Monaten ist das vorbei”, prognostizierte Jürgen Pieper, Autoanalyst des Bankhauses Metzler. “Danach fällt der Markt in ein tiefes Loch, weil sich die Konsumenten dann zurückhalten und abwarten werden, bis die nächste Stützaktion kommt.”

Von der deutschen Abwrackprämie profitierten vor allem die Hersteller von Minis sowie Klein- und Kompaktwagen, auf die laut Flensburger Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zwei Drittel der Neuzulassungen entfielen. Die deutschen Hersteller von Mittel- und Oberklassewagen wie die Daimler-Pkw-Marke Mercedes-Benz, BMW und Porsche haben dagegen das Nachsehen. Sie mussten im Auftaktquartal prozentual zweistellige Absatzrückgänge verschmerzen. VW legte dagegen um gut 16 Prozent zu, die zu Daimler gehörende Marke Smart konnte ein Fünftel mehr von ihren Stadtflitzern losschlagen. Ford verbesserte sich um die Hälfte. Die deutsche Tochter des ums Überleben ringenden General-Motors-Konzerns Opel legte mit plus 6,3 Prozent vergleichsweise wenig zu. Deutlich besser schlugen sich Herstellern von günstigen Kleinwagen aus dem Ausland. Hyundai, Suzuki, Fiat und Lada konnten ihre Zulassungen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppeln.

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