April 30, 2020 / 10:38 AM / a month ago

STICHWORT-Gilead-Mittel ist Hoffnungsträger in Pandemie

New York, 30. Apr (Reuters) - Das Medikament Remdesivir des US-Konzerns Gilead gilt als Hoffnungsträger in der Coronavirus-Pandemie. Es könnte die Standardtherapie gegen die von dem Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 werden, sagte der Leiter des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID), Anthony Fauci. Erste Ergebnisse einer Regierungsstudie wiesen darauf hin, dass Patienten schneller aus der Klinik entlassen werden konnten. Ethische Fragen hätten ihn zu dem ungewöhnlichen Schritt bewogen, erste Studienergebnisse schon vor der Veröffentlichung in wissenschaftlichen Fachzeitschriften in einer Pressekonferenz vorzustellen, sagte Fauci. Er wolle sicherstellen, dass mehr Patienten das Mittel bekämen.

Remdesivir wurden ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelt, versagte dabei jedoch und wurde vorerst eingemottet. Doch in Laborexperimenten zeigte sich, dass es auch gegen das Coronavirus wirkt. Nun wird das Medikament in einer Reihe von Studien weltweit an Patienten getestet. Allein am Mittwoch wurden drei Untersuchungen des NIAID, des Unternehmens selbst und aus China vorgelegt:

WAS WISSEN WIR VON DER NIAID-STUDIE?

Die vorläufigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass Patienten mit Covid-19 und Komplikationen an der Lunge in Krankenhäusern bei einer Behandlung mit Remdesivir 31 Prozent schneller entlassen werden konnten als die Studienteilnehmer, die lediglich ein Placebo erhielten. An der Untersuchung nahmen insgesamt 1063 Menschen teil. Die Daten deuten auch darauf hin, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit durch das antivirale Mittel steigen, auch wenn dieser Einfluss statistisch nicht signifikant ist. Die endgültigen Daten werden allerdings wohl erst im Laufe des kommenden Monats vorgelegt.

WAS IST ZU DER UNTERSUCHUNG VON GILEAD BEKANNT?

Gilead ging der Frage nach, wie lange Patienten mit Remdesivir behandelt werden müssen. Dabei habe sich herausgestellt, dass bei schweren Covid-19-Fällen fünf Tagesdosen Remdesivir genauso gut wirkten wie zehn Tagesdosen. Nach zwei Wochen hätten mehr als die Hälfte der Patienten das Krankenhaus verlassen. Sollte das Medikament letztlich zugelassen werden, könnte das die Kosten der Behandlung senken und die verfügbare Menge erhöhen.

Zudem deuteten die Ergebnisse der Studie darauf hin, dass ein früher Beginn der Behandlung mit Remdesivir besser ist: Diese Patienten seien eher entlassen worden als diejenigen, die erst zu einem späteren Zeitpunkt behandelt worden seien. Allerdings wurde die Studie ohne Kontrollgruppe durchgeführt. Deswegen ist unklar, ob es den Studienteilnehmern besser ging als Erkrankten, die kein Remdesivir erhielten.

WAS SAGEN DATEN AUS CHINA?

Ernüchternde Ergebnisse kommen dagegen aus China: In Wuhan, wo die Pandemie ihren Ausgangspunkt hat, erholten sich die 158 Patienten, die Remdesivir erhielten, nicht schneller als die 79 Erkrankten in der Kontrollgruppe. Das Medikament reduzierte zudem weder die Virenbelastung im Körper noch die Gefahr, an der Lungenkrankheit zu sterben. Allerdings ist das Coronavirus in Wuhan inzwischen unter Kontrolle, seit Wochen infizieren sich kaum noch Menschen mit dem Virus. Forscher haben daher Schwierigkeiten, ausreichend Teilnehmer für ihre Studien zu rekrutieren. Die Ergebnisse sind statistisch nicht beweiskräftig. Anders als die beiden anderen Studien wurde die chinesische Untersuchung vor der Veröffentlichung im renommierten Medizinjournal “The Lancet” von anderen Wissenschaftlern geprüft.

WAS ERGEBEN ÄLTERE STUDIEN, UND WAS SAGEN EXPERTEN?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte bereits im Februar Remdesivir als das aussichtsreichste Medikament im Kampf gegen das Coronavirus bezeichnet, weltweit laufen zahlreiche Studien. In den vergangenen Tagen wurden mehrfach vorläufige Daten aus den USA vorgelegt, wonach das Mittel nicht nur im Labor, sondern auch in der Praxis wirkt. Allerdings wurden dabei jeweils nur wenige Patienten behandelt, und Wissenschaftler warnten davor, allzu weitreichende Schlüsse zu ziehen.

Fachleute mahnen zur Zurückhaltung. Eric Topol, Direktor und Gründer des Forschungsinstituts Scripps Research Translational Institute, verwies darauf, dass Remdesivir nur bescheidene Ergebnisse gezeigt habe. “Es wurde mit einem überwältigenden Effekt gerechnet. Das hat es eindeutig nicht.” Auch Fauci sagte, die Suche nach einem Corona-Mittel sei nicht beendet. Er verglich die Studienergebnisse mit den ersten Erfolgen im Kampf gegen HIV: Auch damals sei das Medikament ATZ nicht perfekt gewesen, aber ein erster Schritt. “Ähnlich wie ATZ ist Remdesivir der erste Tippelschritt hin zu einer hoffentlich größeren Zahl besserer Medikamente, die wir zur Behandlung von Covid-19 haben werden.” (Reporter: Julie Steenhuysen und Deena Beasley, geschrieben von Christina Amann redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern +49 69 7565 1236 oder +49 30 2888 5168.)

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